Wie misst man Terror?

Nach dem verheerenden Anschlag auf die deutsche Botschaft in Kabul wurde von Thomas de Maizière eine Abschiebung nach Afghanistan abgebrochen. Nicht etwa wegen einer veränderten Sicherheitslage, sondern wegen des aufgrund des Anschlags überforderten Botschaftspersonals.

Nun regt sich Protest im Parlament. Grüne und SPD fordern, dass aufgrund der veränderten Sicherheitslage ein grundsätzlicher Abschiebestopp unabdingbar sei. Einmal mehr ein prächtiges Beispiel, mit welch einer billigen Effekthascherei heute Politik gemacht wird. An der Sicherheitslage hat sich in Afghanistan mit einem Anschlag nichts verändert. Sie bleibt schwierig.

Wie soll nun eine Sicherheitslage bemessen werden? Abseits von Buzzwords wie Risikoanalyse und Sicherheitsmetrik lässt sich aufgrund der Natur von Terroranschlägen nur schwer eine empirisch belegbare Aussage treffen. Auch in Berlin gab es einen Terroranschlag. Wie ist die Sicherheitslage in der Hauptstadt jetzt zu beurteilen? Natürlich ist sie besser als in Afghanistan – aber eben auch besser, als an den meisten anderen Orten dieser Welt. Das macht es etwas weltfremd in Flüchtlingsfragen mit Sicherheitslagen zu argumentieren.

Ein Anschlag vom Ausmaß dessen in Kabul blendet die öffentliche Wahrnehmung jedoch in hohem Maße. Es ist widerlich und unanständig, sich diesen Effekt zunutze zu machen. Im Übrigen genauso unanständig, wie bei anderen Parteien nach jedem Anschlag hierzulande reflexartig der Überwachungshammer gezückt wird, um mit der öffentlichen Empörungswelle im Rücken die letzten noch stehenden Pfeiler des Datenschutzes niederzureißen. Beides ist Politik aus der untersten Schublade.

Anti-Terror-Gesetz in Großbritannien: Aktivist angeklagt wegen verweigerter Passwort-Herausgabe | heise online

Quelle: Anti-Terror-Gesetz in Großbritannien: Aktivist angeklagt wegen verweigerter Passwort-Herausgabe | heise online

Wenn die US ein Notebookverbot auf Flügen in Erwägung ziehen, wird die hiesige Empörungskultur bis zum Exzess zelebriert – die Engländer machen derweil, was sie wollen.

WannaCry – Zum Heulen!

Einmal mehr hat es ein Schädling in die Mainstream-News geschafft. Einmal mehr war es Ransomware – ein Trojaner, der die Festplatte der Opfer verschlüsselt. Zweifelhaften Ruhm erlangte WannaCry durch den Befall des Anzeigesystems der Deutschen Bahn und vielen Englischen Kliniken.

WannaCry hat weit mehr Wellen geschlagen, als er eigentlich verdient hätte. Mit 220000 infizierten Systemen ist er eher ein durchschnittlicher Vertreter seiner Zunft. Im Gegensatz zu bisheriger Ransomware hat er noch eine Komponente, die ihn in lokalen Netzen gefährlich macht: Er verbreitet sich über SMB, das schon seit Jahren das Sicherheitsdesaster schlechthin ist. Das bedeutet, dass, sofern ein User nett genug ist, einen Mailanhang auszuführen, schlagartig alle ungepatchten Maschinen im Netz verschlüsselt werden. „Ungepatcht“? Ja. Bereits am 14. März wurde diese Sicherheitslücke von Microsoft gepatcht und somit waren und sind Systeme, die sich auf dem aktuellen Stand der Technik befinden nicht verwundbar.

Das lässt den sicheren Umkehrschluss zu, dass sowohl die Rechner der Deutschen Bahn, als auch die des englischen NHS (National Health Service), die der Telefonica in Spanien und die von Renault in Frankreich mindestens zwei Monate keine Sicherheitspatches gesehen haben, obwohl Windows ein bekannt beliebtes Ziel solcher Attacken ist. Es lässt weiterhin den Schluss zu, dass obwohl diese Lücke bekannt war, keine Vorkehrungen getroffen wurden, die verwundbaren System zu schützen.

Es hätte sich durchaus gelohnt, etwas mehr in die IT-Sicherheit zu investieren. Für die Bahn steht nur der Imageverlust auf der Rechnung. Für Renault stand immerhin die Produktion in einigen Werken still, das kann man dann schon mal aufrechnen. Die englische Gesundheitsbehörde hingegen musste Patienten in Kliniken abweisen, da ihre Daten für eine Behandlung nicht vorlagen. Spätestens an diesem Punkt sollte man sich die Frage stellen, ob es reicht, umgeschulte Schuhmacher als Inhouse-IT zu labeln und Sicherheitsmaßnahmen outzusourcen, sofern gerade Geld übrig ist.

EVE Online

EVE Online ist anders als alle anderen MMOs. Hier hofft man vergebens auf eine behütende Hand der Obrigkeit oder den regulierenden Eingriff eines Gamemasters. Die Spielerschaft hat sich damit arrangiert und liebt ihre „Sandbox“.

EVE Online? Nie gehört! – So geht es vielen, die sich noch nicht ernsthaft mit Online-Rollenspielen befasst haben. Die, die es kennen, teilen sich in zwei Lager auf. Die einen halten es für die alleinseligmachende Weise, seine Freizeit zu verbringen, die anderen berichten über eine unglaubliche Ansammlung übelster Zeitgenossen, den Abschaum der Online-Welt. Was ist also wirklich wahr? Und wieso?

Um EVE einmal grob zu umreißen: Auf der Erde herrschte Ressourcenknappheit. Die Bewohner bekriegten sich um die letzten vorhandenen Rohstoffe. Neue Technologien wie Sprungtore ermöglichten den Aufbruch in den Weltraum. Ein natürliches Wurmloch, das EVE-Gate, öffnete der Menschheit eine unendliche Fülle von Sternsystemen. Millionen Siedler machten sich daran, die unentdeckten Winkel von „New Eden“ zu erschließen. Ungünstigerweise kollabierte das EVE-Gate nach einiger Zeit und nur wenige Kolonien überlebten ohne den Nachschub von der Erde. Wissen ging verloren und viele tausend Jahre vergingen, bis die Menschheit wieder ins Weltall vordringen konnte.

Grundsätzlich ist EVE Online ein recht einsteigerunfreundliches Spiel. Es ist düster, völlig unflauschig, kompliziert. Dem neuen Spieler (Im EVE Universum „Capsuleer“ genannt) stehen, nachdem er seine Rasse gewählt hat (Welche für Hardcore-Rollenspieler eventuell wichtig, für alle anderen aber völlig belanglos ist), verschiedene Tutorials zur Verfügung, um in die grundlegenden Mechaniken des Spiels zu finden und erste brauchbare Belohnungen zu erhalten. Sie sind recht umfangreich, und hat man sich erst mal hier durchgearbeitet, ist man sozusagen mit allem Wissen versorgt, das nötig ist, sich im Spiel zurechtzufinden. Im Hilfechannel, in dem Spieler Spielern helfen, ist einer der am öftesten fallenden Sätze: „Mach das verdammte Tutorial!“

Aha. und wenn das Tutorial so toll ist, warum ist EVE dann einsteigerunfreundlich? Nun, weil dann der Übergang ins „reale Universum“ beginnt. Die Startsysteme sind die einzigen Orte, an denen Neulinge wirklich zumindest eine Art Welpenschutz genießen. Wenn diese Systeme verlassen werden, ist die Lernkurve sehr steil. Das zugegebenermaßen etwas angestaubte chart zeigt das recht gut.

Ja, es ist hart, seinen Platz im Universum von EVE zu finden. Dem Spieler stehen viele verschiedene Möglichkeiten zur Auswahl, um an ISK (Die Gemeinschaftswährung) zu kommen. Er kann handeln, produzieren, nach Bodenschätzen schürfen, Transportaufgaben übernehmen, sich mit allgegenwärtigen NPCs (Ratten) jeglicher Couleur anlegen, in die großen Scharmützel zwischen den Fraktionen einsteigen, sein Leben als Pirat fristen oder sogar ganze Raumstationen betreiben. Oder auch eine Kombination von allem genannten. Ja, das erschlägt erstmal.

Zudem gibt es zu allem Überfluss noch verschiedene Zonen, die sich ins sogenannte Highsec, Lowsec und Nullsec aufteilen – für die völlig unterschiedliche Regeln gelten.

Im Highsec ist man per se erst einmal sicher vor Spielern, die einem ans Leder wollen. Wenn hier ein Spieler einen anderen angreift, ruft das Concord auf den Plan. Eine Polizeiorganisation, die in allen Highsecgebieten nach dem Rechten sieht. Doch gibt es hier einen Haken: Tun sich genug Angreifer zusammen, werden sie das Schiff der Opfers zerstören, bevor Concord eingreifen kann. Man sollte sich merken: Concord beschützt nicht, Concord bestraft. Solchen „suicide-ganks“ kann man jedoch ganz einfach entgehen. Man sollte sich nie in ein Schiff setzen, das viel wert ist und wenig aushält – es sei denn, dieses Schiff ist sehr schnell, kann sich tarnen etc. pp. Der Spieler muss also mit gesundem Menschenverstand abwägen, was er sich realistisch gesehen leisten kann zu verlieren und was er besser lassen sollte.

Im Lowsec sucht man vergeblich nach Concord. Strukturen wie Gates, Stationen etc. schießen dort zwar auf Kriminelle, sind aber weit weniger gefährlich als Concord und für den geübten Piraten sind sie keinerlei Bedrohung. Zudem sind lowsec-Systeme in der Regel recht gut frequentiert, es sind viele Piloten unterwegs – und nur die wenigsten sind ungefährlich.

Der Nullsec ist Fluch und Segen zugleich. Der Pirat hat hier nichts zu fürchten. Jeder kann jedem nach Herzenslust Löcher ins Schiff schießen und – wo kein Kläger, da kein Richter –  nicht mal sein Sicherheitsstatus wird darunter leiden. Die Wahrscheinlichkeit, im Nullsec jemandem zu begegnen, ist allerdings viel niedriger als im Lowsec. Dummerweise ist es aber auch so, dass der größte Profit im Nullsec wartet – wer hätte jetzt das gedacht?

Seit einigen Jahren gibt es auch noch Wurmlöcher, der sogenannte WH-Space. Hier gelten grundsätzlich die Regeln des Nullsec – aber der Spieler ist quasi blind und kann nicht einmal feststellen, ob er alleine im System ist oder am nächsten Mond eine ganze Flotte lauert.

Man kann sich also hier schon vorstellen, wie schnell einem Neuling die Lust vergehen kann, wenn seine erste Exkursion ins Lowsec damit endet, dass er im escape pod zur Station zurückwarpt während ein Pirat die brauchbaren Überreste seines Schiffs zusammensammelt. Und genau da sind wir an dem Punkt angekommen, an dem sich herausstellt, aus welchem Holz der Spieler geschnitzt ist. Hier gibt es verschiedene Typen.

Den Ragequitter: Er wird EVE augenblicklich verlassen, jedoch nicht, ohne noch einer breiten Öffentlichkeit (meistens im local channel) mitzuteilen, was er von der Community im Allgemeinen und von dem Piraten im Besonderen hält.

Den Depri: Er wird einsehen, dass er besser seine Nase nicht in den Lowsec gesteckt hätte, noch eine Weile weiterspielen und schließlich mit dem unumstößlichen Wissen, dass ohnehin alles sinnlos ist dem Spiel den Rücken kehren und zu seinem Lieblings-MMO zurückkehren, das zwar völlig ausgelutscht, aber schön flauschig ist.

Acht von zehn Spielern sind in irgendeiner Weise diesen beiden Gruppen zuzuordnen. Die beiden verbleibenden sind die wirklich interessanten.

Der Lernwillige: Er ist völlig beeindruckt von der Geschwindigkeit, in der der liebe Pirat seinen doch (vermeintlich) gut gefitteten Zerstörer zerlegt hat und fragt ihn, wo denn sein Fehler lag und was er hätte besser machen können. Ich wage zu behaupten, dass er auf jeden Fall eine Antwort bekommt. In vielen Fällen bekommt der neugierige Noob so sogar ein paar ISK zugeschoben, die bei der Finanzierung des neuen Schiffs helfen.

Der Rachsüchtige: Ihm ist völlig egal, was er falsch gemacht hat, er wird so lange Nachforschungen betreiben, Verwundbarkeiten suchen und Informationen sammeln, bis er eine Gelegenheit findet, dem Piraten alles auf Heller und Pfennig heimzuzahlen.

EVE ist kein Spiel für Muttersöhnchen. Die letzten beiden Gruppen sind eine Bereicherung für New Eden, erstere nicht. Man kann das gerne auch als Filter verstehen. Eine Vorsortierung nach der Prämisse, dass eben nur die Harten in den Garten kommen. Eine Selbstregulierung, wie sie in New Eden oft vorkommt.

Aber wenn heute jemand bei EVE Online einsteigt, ist er da den älteren Charaktern nicht hoffnungslos unterlegen?

Nein. Im Spiel erhält man Skillpunkte, die dann auf die Fertigkeiten verteilt werden, die Spieler erlernen möchte. Das geschieht ununterbrochen im selben Tempo (ähm… mehr oder weniger. Das würde aber jetzt den Rahmen sprengen). Selbst wenn man ausgelogt ist, was vor allem Gelegenheitsspielern entgegenkommt. Dieses System sorgt dafür, dass 10-jährige Charakter zwar unheimlich viele Punkte haben, aber da jede Fertigkeit nur fünf Stufen hat, in die man investieren kann, können diese beispielsweise eine Fregatte eben nur so gut fliegen, wie ein zwei- oder dreiwöchiger Neuling das kann. Aber kann eine Fregatte einen sehr viel skillintensiveren Schlachtkreuzer abschießen? Definitiv ja. Um Schiffe zu optimieren, werden sie von ihren Piloten sehr speziell „gefittet“ (ausgerüstet). Daher sind sie oft sehr gut für Aufgabe A geeignet, mit Aufgabe B aber hoffnungslos überfordert. Damit hätten wir auch die Frage beantwortet, die gerne von Neulingen gestellt wird „Was ist das beste Schiff in EVE?“ Die richtige Antwort darauf muss immer lauten: „Wozu?“ Und selbst wenn es nur eine spezielle Aufgabe ist, die das Schiff erfüllen soll, sind meistens mehrere Schiffe in oft grundverschiedener Konfiguration gut dazu geeignet.

Was, wie bei den meisten anderen MMOs auch, den Einstieg und die darauf folgende Zeit unheimlich erleichtern kann, sind „Corporations“ – kurz „Corps“. Corps sind Zusammenschlüsse von Spielern, die oft an den selben Aspekten des Spiels interessiert sind – oder auch nur sich ergänzende Gewerbe ausüben. So sind in einer Handelscorp etwa Transporterpiloten immer gern gesehen. Auch für Neulinge gibt es immer was zu holen. Viele alte Hasen halten sich nicht damit auf, Wracks, die beim PVE zu hunderten abfallen zu looten und salvagen – für Neulinge ist es eine der lukrativsten Möglichkeiten, an ISK zu kommen. Man folgt dem marodierenden PVEler und füllt sich die Laderäume, dankt ihm nett und verscheuert das Zeug am Markt… achja… der Markt!

Der „EVE-Online Markt“ ist an sich eine irreführende Bezeichnung. Der gemeine MMO-Spieler hat jetzt das Auktionshaus eines wohlbekannten Games *hüstel* vor dem inneren Auge schweben. Nein. Einfach nur NEIN. Damit hat der Markt in EVE relativ wenig zu tun. Hier ist etwas mehr Realität im Spiel. Denn hier hat jede Station einen Markt. Seit 2016 sogar viele spielerbetriebene Zitadellen. Und wer hier etwas verkaufen will, muss es genau da hin bringen, wo er es verkaufen will. Je nach Station oder Sonnensystem gibt es preislich natürlich riesige Unterschiede – und viele Händler machen sich diese Zunutze. Sie kaufen an den großen Märkten („Tradehubs“) billig ein, und transportieren die Ware auf Stationen weit im Nullsec, wo die großen Allianzen dann teuer einkaufen. Das ist riskant – aber rentabel. Ware liegt hier nach dem Kauf nicht einfach im Briefkasten – aufgrund dieses Umstands verdienen Händler und Transporteure Geld. Und das sogar richtig gut.

Man kann im EVE-Universum alles kaufen und verkaufen. Selbst verzwickte Situationen lassen sich so oft lösen. Ich flog einmal einen Complex (Eine schwierige PVE-Mission) tief im Nullsec. Als ich diese beendete, bekam ich einen weiteren Auftrag, der mich noch tiefer ins Null direkt in das Gebiet einer feindlichen Allianz führte. Unangenehme Geschichte. Die werden mich hier kaum ungestört PVE machen lassen… und während ich da so überlegte, entspann sich ein Gespräch mit einem Russen. er fragte mich, was ich hier so treibe (Wahrscheinlich hat er gleichzeitig versucht, mich auszuscannen und wollte mich mit dem Gespräch ablenken). Da ich ja wusste, was er vorhat, blieb ich in Bewegung und wir redeten weiter. Als ich ihm erzählte, dass ich hier eine escalation (den weiterführenden Auftrag) fliegen will, und er und der Rest seiner Kasper mir im Weg sei, schlug er einen Handel vor. Und so verkaufte ich ihm den Auftrag (indem ich ihm den Eingang zu der deadspace pocket zeigte). Ich hatte gut was verdient, er hat eventuell (wenn die Loot-Fee „yep“ sagt) auch was verdient, und seine Corpmates schießen mir keine Löcher ins Schiff. Glücklicher Rob (mein Char), glücklicher Russe. So kann man in New Eden mit dem größten Blödsinn Geld verdienen. Und diese spezielle Situation beweist, dass es sich oft lohnt, etwas Konversation zu betreiben – auch wenn der Gegner in der Allianz „Shadow of xXDEATHXx“ ist…

„Mit jedem Blödsinn Geld verdienen“ trifft natürlich insbesondere auf die Tradehubs zu. Hier treibt sich der größte Abschaum des Universums herum. Jita, ein System in dem in der Regel zu jeder Zeit weit über tausend Piloten herumlungern, ist das Mos Eisley von New Eden.

Hier glaubt man am besten einmal gar nichts. 100% aller Angebote im Local channel sind scams. Ja. 100%. Nicht 99. 100. Wer denkt, er ist smart genug und hat das eine Prozent gefunden, bei dem sich ein Scammer versehentlich vertan hat, wird eines Besseren belehrt werden und Geld verlieren. Wird er mit dieser Erfahrung einen Gamemaster belästigen, ringt sich dieser im Höchstfall ein virtuelles Schulterzucken ab. Dabei wäre es doch so einfach. 100% – was ist daran nicht zu verstehen?

Jedes MMO wird außer durchs Spielprinzip zusätzlich maßgeblich durch die Community geprägt. Die ist in New Eden sehr interessant. Baut man darauf, dass man als Neueinsteiger oder „newbro“ nicht abgeschossen wird, da man ohnehin keine Herausforderung darstellt… nun… die Friedhöfe im Highsec wären voller solcher Optimisten. Wenn es denn welche geben würde. Wenn das Schiff platzt, sitzt man im escape pod, wenn auch noch platzt, in einem Trümmerfeld. Das ist unschön, aber nicht das Ende der Welt.

Was man in so einem Moment nicht will, ist, den Übeltäter anzuplärren und eine Erklärung verlangen, warum er den armen Noob nun weggenatzt hat. Jeder einzelne Pilot hat genau für diesen Fall ein reichhaltiges Repertoire an comebacks, das von „because fuck you“ bis zu „Wir haben hier einen Lehrauftrag zu erfüllen, das nehmen wir ernst!“ reicht.

Schluckt man hingegen die bittere Pille und schickt dem Piraten ein „gf“ (good fight) kann alles passieren. Es kommt relativ oft vor, dass Capsuleers die Member ihrer zukünftigen Corp zuerst aus gefrorenen Augäpfeln erblickt haben. Es gibt ganze Allianzen, die sich zur Aufgabe gemacht haben, Spieler besser zu machen und sie zu fördern. Ich persönlich habe mein erstes Schlachtschiff im Nullsec von einer Veteranin geschenkt bekommen, meinen ersten Carrier vom CEO unserer Corp. Solche Erfahrungen machen die Community dann trotz eines harten Äußeren doch zum besten, was ich in der MMO-Welt kenne. Entsprechend eng sind die Bindungen und wenn einer für immer geht, nehmen Freund und Feind das sehr schwer. Selbst ein verstorbenes Haustier (a.k.a. „Co-pilot“) wird meist mit einem Onlinesalut „o7“ in die ewigen Jagdgründe verabschiedet.

Wenn sich Communities bilden, entsteht dadurch auch oft eine eigene Sprache, eine eigene Kultur – und diese bringt im Fall von EVE Online definitiv auch sehr interessante Kunstwerke hervor…

Und dann sorgt auch das Spiel selbst für künstlerisch wertvolle Momente. Eine der größten Schlachten, die New Eden je gesehen hat. Fünftausend Piloten in einem System. Musik auf laut, zurücklehnen, Bilder genießen.

Heiko und die wilden Kerle

Nachdem unserem Justizminister sein Heiligenschein endgültig zu eng geworden ist, schubbert er sich mal wieder am Neuland.

Heiko hätte gerne, dass Betreiber sozialer Netzwerke (z.B. Facebook, Google und wie sie alle heißen) auf Zuruf von Bürgern Postings löschen, die strafrechtlich Relevantes beinhalten könnten. Und da Heiko das für eine großartige Idee hält – logisch, ist ja auch seine – hat er gleich mal einen Gesetzesentwurf daraus geschustert. Das Kabinett, in Sachen Internet ausschließlich Blindgänger erlesenster Qualität, fand den so total toll, dass er gleich mal unbesehen durchgewinkt wurde.

Wer hier glaubt wirklich, dass Facebook jetzt anfängt, Beschwerden einzeln auf ihre Validität zu prüfen – und wer denkt, dass einfach unbesehen gelöscht wird, um auf der sicheren Seite zu bleiben? Wer sich für ersteres entschieden hat, sollte bitte schnell seine monatliche Hirninfusion nachmedikamentieren und dann nochmal scharf nachdenken. Es besteht keinerlei Anreiz, genau zu prüfen. Im Gegenteil. Es kostet eine Menge Geld. 24 Stunden soll der Betreiber Zeit haben, „evidente Fälle von Hasskriminalität[…]“ zu entfernen, bei nicht offensichtlichen Fällen besteht eine Frist von 7 Tagen, bevor richtig böse Strafen fällig werden. Wer entscheidet, was offensichtlich ist, was nicht offensichtlich ist, und was überhaupt strafbar? Denken diese Kanaillen im Kabinett wirklich, da setzt der Herr Zuckerberg jetzt ein Rudel angehende Anwälte mit dicken Gesetzbüchern an den Support, die dafür sorgen, dass Facebook vor Strafzahlungen verschont bleibt? Nein. Wohl eher nicht.

Was wollen sie dann? Spinnen wir die Geschichte doch etwas weiter: Der Entwurf kommt durch den Bundestag. Facebook und die anderen großen Betreiber beginnen, im großen Stil zu löschen. Jedem PR-Manager, der auch nur einen Schuss Pulver wert ist, läuft hier das Wasser im Mund zusammen. Man frickelt sich ein strunzdoofes Programm zusammen, das auf sozialen Plattformen den Namen der eigenen Partei sucht, und sowie dort ein negativ belegtes Wort im Text gefunden wird, geht eine automatisierte Mail mit der Bitte um Löschung an den Support. So kann man unliebsame Meinungen sehr effizient entsorgen.

Kurz: Die Blauäugigkeit, die Heiko von vielen unterstellt wird, nehme ich ihm nicht ab. Hinter diesem Gesetzentwurf steckt Kalkül. Hasspostings interessieren unsere Politiker nicht – sofern ihre Außenwahrnehmung dadurch nicht beschädigt wird. Die Politik hat nach einer gewaltigen Schrecksekunde erkannt, dass freie Kommunikation den Parteien nicht zuträglich ist. Dieses Gesetz ist ein weiterer Versuch, offene Kommunikation zu unterbinden beziehungsweise in Bahnen zu leiten. Um den Bürger auf seiner mentalen Blümchenwiese nicht zu stören, werden Betreiber als Zensurrelais verwendet. Eigentlich recht smart – für Maas’sche Verhältnisse.

Noch vor der Bundestagswahl: Staatstrojaner soll auch gegen Alltagskriminalität eingesetzt werden – netzpolitik.org

Quelle: Noch vor der Bundestagswahl: Staatstrojaner soll auch gegen Alltagskriminalität eingesetzt werden – netzpolitik.org

Womit einmal mehr bewiesen wäre, dass man den Bastarden nicht trauen darf. Politiker sind Lügner. Und der phlegmatische Durchschnittsdeutsche merkt es erst, wenn es längst zu spät ist. Wir haben euch gewarnt – und keiner wollte es hören. Unfassbar.